Den Zauber der Böhmerwaldnatur verspürt man erst richtig bei einem Aufenthalt vor Ort. Der Böhmerwald bewahrte seinen Reichtum auch deswegen, weil er jahrelang nur begrenzt zugänglich war.
Die tiefen Wälder des Böhmerwalds sind ein Mekka für tschechische Schwammerlsucher. Im Böhmerwald braucht man mancherorts die Pilze nicht wirklich suchen, sondern einfach nur sammeln. Wir bitten Sie allerdings, den Wald zu respektieren und beim Pilzesammeln darauf zu achten, dass Sie keine Zivilisationsspuren hinterlassen. Die Natur gibt uns alles. Seien wir ihr also dankbar und geben wir ihr unsere Liebe zurück. Und Vorsicht: In der Kernschutzzone des Nationalparks Šumava (Böhmerwald) ist es verboten, die markierten Wege zu verlassen und Blumen zu pflücken.
Der Böhmerwald gehört in erster Linie seiner Tierwelt.
Unser besonderes Interesse haben wir den Fischottern gewidmet. Das liebliche Tier hat in unserem Land nicht viel Lebensraum, da es eine besonders saubere Umwelt benötigt. Lernen Sie den Fischotter kennen, und sie werden erkennen, dass er ohne unsere Umsicht einfach nicht auskommt.
Nicht einmal eine einzigartige Evolutionsgabe kann in der "zivilisierten" Welt helfen.
Von Zdeněk Veselovský
Der Mensch hat zum Fischotter eine zwiespältige Beziehung. Die meisten Menschen sind fasziniert beim Beobachten von spielenden Fischottern wegen ihrer flinken Geschmeidigkeit und der Eleganz ihrer Bewegungen. Eine Minderheit, insbesondere die Fischer, hasst den Fischotter so sehr, dass sie ihn im Namen von Marktmechanismen im Großteil seines Lebensraumes gänzlich ausgerottet hat. Tschechien kann sich damit brüsten, dass man in manchen Gebieten noch regelmäßig den Fischotter (Lutra lutra) antreffen kann. Aber auch dort, wo die Zusammensetzung der Fischotterbestände sein Fortleben gewährleisten könnte, ist sein weiteres Überleben ernsthaft bedroht. Trotz aller gesetzlichen Maßnahmen werden die Fischotter nämlich von Fischteichbesitzern brutal vertilgt.
Zoologisch sind die Fischotter Vertreter hundeartiger Raubtiere, die sich vor 20 Millionen Jahren auf eine einzigartige Art und Weise an das Wasserleben angepasst haben. Im Wasser ist der Körpertemperaturverlust 23-mal größer als in der Luft. Die meisten im Wasser lebenden Säugetiere schützen sich durch eine dicke Fettschicht, die allerdings die Bewegung zu Lande sehr erschwert. Die Fischotter behielten ihre Flinkheit und Beweglichkeit in beiden Umgebungen, indem ihre einzige isolierende Schutzschicht die in ihrem ungemein dicken Pelz verfangene Luft ist. Auf einem Quadratzentimeter ihrer Körperfläche wachsen gut 50 000 Haare, so dass der ganze Körper eines Fischotters mit 150 bis 200 Millionen Haaren bedeckt ist, der eines Meeresotters mit bis zu 800 Millionen Haaren. Nur im Mikroskop erkennen wir auf der Oberfläche der Haare auffallend scharfe Schuppen, die miteinander verzahnt sind und die isolierenden Luftblasen festhalten. Wenige Minuten, nachdem der Fischotter aus dem Wasser gekommen ist und sich im Schnee oder Gras gerieben hat, ist sein Fell wider trocken.
Die Brautwerbung ist bei den Fischottern mit unzähligen Spielen und Haschen verbunden, vor allem im Wasser, ohne das die Ovulation nicht hervorgerufen werden kann. Nach mehreren Paarungen verlässt das Weibchen das Männchen und sucht sich auf ihrem Territorium den verborgensten Bau, den sie zu einer Kammer aushöhlt und sorgfältig mit Gras auslegt. Die Tragzeit dauert 59-63 Tage und das Weibchen gebiert meistens nur 1 bis 3 Jungen. Diese wiegen bei Geburt nur 80 bis 100 Gramm, ihre Augenlider sind zusammengewachsen und ihre Gehörgänge sind verschlossen. Anfangs orientieren sie sich durch ihren Geruchs- und Tastsinn, der sie zu den Zitzen ihrer Mutter führt. Die Fischottermilch beinhaltet – wie bei anderen im Wasser lebenden Säugetieren – bis zu dreimal so viele Fette als bei Landsäugetieren. Das Säugen ist allerdings nicht die einzige Tätigkeit der Fischottermutter. Vor jedem Säugen leckt sie dem Jungen den After und den Harnröhrenausgang, denn ohne diese Massage könnte das Junge nicht ausscheiden. Ganz selbständig werden die Jungen im Alter von etwa 13 Monaten, wenn sie auch ihre Mutter verlassen.
Der Fischotter passte sich dem Leben in einer Wasserumgebung auch durch ihre Ernährung an. So frisst er Wasserinsekten, Krebse, Krabben, Fischer, Frösche, Schlangen, Vögel und Säugetiere. Für einen ausgezeichneten Gesundheitszustand benötigt ein Otter täglich 0,4 bis 0,9 kg Beute. Im Winter muss der Fischotter den Temperaturrückgang und Wärmeverlust durch einen größeren Fang ausgleichen. Mehr Nahrung brauchen auch säugende Weibchen.
Die gesamte Lebensstrategie basiert auf ihrer Fähigkeit, auch im Erwachsenenalter sehr intensiv zu spielen. Dies ist eine ungemeine Evolutionsgabe, denn das Spiel erleichtert beträchtlich das Lernen und führt zu einem schnelleren Erkenntnisgewinn. Die Fischottermutter spielt am meisten mit ihren Jungen während deren Heranwachsens, wo sie sie spielend die Jagd lehrt und ihnen weitere körperliche Fertigkeiten beibringt, die sie als Erwachsene benötigen werden.
Das Lernen reicht für eine Koexistenz des Fischotters und der menschlichen Zivilisation allerdings nicht aus. Obwohl der Fischotter auch länger als 15 Jahre leben kann, werden nur 15 % des Bestandes älter als 3 Jahre. Die anderen Fischotter verenden unter Autorädern, aber auch in Fallen. Auch deswegen hatte ich das Buch "Vydra" (Der Fischotter) verfasst, das der Aventinum-Verlag in der Reihe "Enzyklopädie der Tiere" herausgab.
Vor einiger Zeit wurde übrigens in Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen und Ungarn eine Umfrage zum Thema Der Fischotter und die Fischerei veranstaltet. Während deutsche Fischer im Fischotter meistens eine Belebung des Reviers sehen und die von ihm verursachten Schäden keineswegs dramatisieren, wollen 90 % der tschechischen Fischer den Fischotter ausrotten.
Der Nationalpark Šumava ist der flächenmäßig größte Nationalpark Tschechiens. 80 % seiner Fläche ist von Wald bedeckt, nur 0,1 % ist verbaut. Der Nationalpark wir vom Landschaftsschutzgebiet Šumava umgeben, das sich über fast 100 000 ha erstreckt. Sie finden hier fünf Gletscherseen und zahlreiche Moore sowie zwei Hochmoore. Der höchste Berg Šumavas, Plechý (Plöckenstein), ragt 1378 Meter über den Meeresspiegel. Den mit 570m niedrigsten Punkt Šumavas finden Sie im Tal des Otava-Flusses nahe Rejštejn (Unterbergreichenstein).
Besuchen Sie die Webseite des Nationalparks Šumava.
Das Vydratal (Widratal), ein fast 12 km langes Tal des Bergflusses Vydra (dt. Widra) zwischen Modrava (Mader) und Čeňkova Pila (Vinzenzsäge), erfasst teilweise die Kernschutzzone des Nationalparks Šumava und zählt bereits seit den Anfängen des Tourismus Ende des 19. Jahrhunderts zu den meistbesuchten Stellen des Böhmerwaldes. Die Vydra entsteht durch den Zusammenfluss dreier durch Modrava fließender Bäche; zunächst fließt der Filipohuťský potok (Philippshüttenbach) in den Modravský potok (Madersbach), der dann in in den Roklanský/Mlýnský potok (Rachelbach/Großer Müllerbach) mündet und den romantischen Bergfluss Vydra entstehen lässt.
Im oberen Flussverlauf unterhalb der untergegangenen Ortschaften Vchynice (Chinitz) und Tetov (Tettau) wurde das Flussbett teilweise reguliert, um Holz zu schwemmen, ab der Nadelbrücke am Anfang des Schwemmkanals blieb Vydra allerdings von Menschenhand unberührt. Unterhalb von Antýgl (Antigelhof) beginnt der wildeste Abschnitt der Vidra, die hier in einem tiefen Canyon fließt, bis zum Zusammenfluss mit dem Fluss Křemelná unterhalb von Čeňkova Pila (Kieslingbach/Kiesleitenbach), durch den der Fluss Otava (Wottawa) entsteht.
Die Vidra fließt hier mit hohem Gefälle reißend in einem Flussbett mit vielen Felsblöcken und Stromschnellen, das sich wälzende und schäumende Wasser stößt laut auf Steine, bildet kleine Wasserfälle und zahlreiche Strudel. Auf der linken Talseite sind Felsformationenen zu sehen, Hrádky (Schlösselwald) genannte Wackelsteine, auf der rechten Seite dann geröllartige Steinmeere.
Dieses einst nahezu unzugängliche Tal, auch mal Kláříno údolí (Klaratal) und die Schachtelei genannt, lebte zu Zeiten einer Borkenkäferplage auf. 1888 wurde entlang dem rechten Vydraufer der Maderweg angelegt, um das gefällte Holz abtransportieren zu können, der heutige Naturlehrpfad. Auf tschechisch scheint die Bezeichnung Povydří (Widratal) erstmals in Baštas Reiseführer von 1908 auf.